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Spitzbergen - Insel im Eismeer
   
 
 
Spitzbergen - Insel im Eismeer

Wie auf Watte gleitet das Flugzeug über den Wolken dahin. Die Wolkendecke reißt auf und gibt den Blick frei auf eine atemberaubende Landschaft. Verschneite Gebirge ragen auf, Flüsse winden sich in den Talern dem Meer entgegen. Spitzbergen, die Insel die zwischen Nordpol und dem norwegischen Festland im nördlichen Eismeer liegt, ist das Ziel unseres Abenteuers.

Wenige Minuten später landet die Boing 737 auf dem Flughafen von Longyearbyen, der "Hauptstadt" von Svalbard, wie die Insel auf Norwegisch heißt. Als wir aus dem Flugzeug steigen, ist es merklich kalter geworden. Obwohl die Sonne hoch am Himmel steht, hat die Luft nur eine Temperatur von etwa 6°C. Aber wen wundert's, denn wir befinden uns ja eigentlich schon in der Arktis.

Der Flughafen liegt etwas außerhalb der Siedlung und so steigen wir in einen Bus, der uns auf der etwa 3 km langen Schotterpiste zum Nybien Guest House bringt. Nachdem wir die Nacht in einem der wenigen Gästehäuser verbracht haben, kaufen wir uns am Morgen ein Ticket für eine 2-Tages-Reise mit einem kleinen Schiff, das an der Küste entlang nach Norden fährt. Unser Schiff ist ein alter Walfänger, ein Seelenverkäufer, der vor einigen Jahren umgebaut wurde und jetzt im Sommer für Passagierfahrten benutzt wird. Außer uns sind noch etwa 20 weitere Passagiere an Bord, überwiegend Arbeiter und Angestellte, die hier in Spitzbergen leben. Wir fahren die ganze Nacht. Nacht? Dieses Wort ist ziemlich übertrieben, denn im Sommer ist es in Spitzbergen im Grunde fast rund um die Uhr hell. Der Himmel ist bedeckt, die Wolken hangen so tief, dass die Gipfel der Berge darin verschwinden.

Im Laufe des Vormittags erreichen wir den Magdalenenfjord. Bis vor zwei Wochen war das Packeis noch bis hier unten, so daß man ihn mit dem Schiff gar nicht anfahren konnte. Die Wolken lichten sich und langsam fahren wir bei Sonnenschein in den Meeresarm hinein. Wir passieren die Gräberhalbinsel, eine flache Landzunge, die auf der Sudseite in den Fjord ragt. Ein gewaltiger Gletscher schließt die Bucht ab, umrahmt von wuchtigen Bergen. Zwischen Gräberhalbinsel und dem Gletscher werfen wir Anker und fahren mit einem Schlauchboot an Land. Auf dieser kargen, nur spärlich mit Moosen bewachsenen Halbinsel fanden wahrend des 17. und 18. Jahrhunderts englische und niederländische Walfänger ihre letzte Ruhe. Bei unserem Landgang ist ständig ein Matrose mit einem Gewehr in der Nahe, denn auch im Sommer ist die Gefahr groß, von Eisbären iiberrascht zu werden. 100 Meter weiter sehen wir den gigantischen Gletscher. Hohe Eiswände türmen sich vor uns auf, durchfurcht von breiten Rissen schimmert er tiefblau zu uns herüber. Vom Wasser unterspult entstehen Hohlen und immer wieder brechen Stucke da von ab. Der Gletscher kalbt! Die Sonne gibt ihr übriges zu diesem beeindruckenden Naturschauspiel.

Ny Alesund, unser nächstes Ziel, ist die nördlichste Dauersiedlung der Welt. Sie wurde 1916 von der Kings Bay Koll Company gegründet. Hier wurde hauptsachlich Kohle gefordert, doch in den 60er Jahren hat man nach mehreren Grubenunglücken den Kohleabbau eingestellt. Ny Alesund war außerdem schon immer Stützpunkt der Polarforschung. So brach im Mai 1926 Roald Amundsen von hier mit seinem Luftschiff zu dem Versuch auf, als erster Mensch den Nordpol zu überfliegen. Allerdings gelang dies den beiden Amerikaner Richard Evelyn Byrd und Floyd Bennett am 9. Mai 1926, nur drei Tage vor Amundsen, mit einem dreimotorigen Flugzeug.

Amundsen stürzte am 18.06.1926 beim Rettungsflug für den Italiener Umberto Nobile ab und gilt seitdem als verschollen. Heute erinnert hier noch der Befestigungsturm des Luftschiffs, der so genannte Vertauungsturm, und eine Bronzebüste an den norwegischen Pionier der Polarforschung. Ny Alesund dient auch heute noch als Station für Polarforscher aus aller Welt. Wir liegen noch eine Zeitlang im Hafen vor Anker und lümmeln irgendwo auf dem Deck herum, genießen die wärmende Sonne und lassen die ganze Atmosphäre auf uns wirken.

Am nördlichen Ufer des Kongsfjordes liegt die Siedlung Ny London. Hier im Camp Mansfield versuchte der Brite Mansfield Marmor abzubauen. Das Vorhaben scheiterte aber, da der Stein durch die zahllosen Frostrisse unbrauchbar war. Maschinen und Werkzeuge rosten heute so vor sich hin. Durch das trockene Klima und der Kalte in Spitzbergen wird hier sämtlicher Mull "bestens" konserviert. Nach unserem einstündigen Inseltrekking über die Bloomstrand-Halbinsel verlassen wir den Königsfjord.

 

Die Nacht wollen wir im Krossfjord verbringen und so schippern wir spät abends in den Meeresarm. Vorbei an den im Wasser treibenden Eisbrocken der umliegenden Gletscher, vorbei an Robben, die sich vor unserem Boot in Sicherheit bringen, erreichen wir gegen 0.00 Uhr die Spitze des Fjordes. Die Sonne steht immer noch hoch über den Hügeln. Wir erleben eine einmalige und wunderbare Mitternachtssonne, wie ich sie mir faszinierender nicht vorgestellt hatte. Die Mitternachtssonne - der Mythos des Nordens. Wir sitzen noch lange an Deck und bewundern dieses einzigartige Naturerlebnis, bis uns dann doch die Müdigkeit in die Kojen treibt.

 

Spitzbergen

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